Historisches zum Auersberg
(Quelle: Broschüre aus Anlass des 100- jährigen Bestehens des Auersberghauses 1907-2007 von Henry Pansch)

Das Gebiet um den Auersberg zählt seit jeher zu den wald- und wildreichsten Gegenden im oberen Erzgebirge. Aber auch der Bergbau hat eine Jahrhunderte alte Tradition, gab es doch seit dem 16. Jahrhundert hier etwa 300 Fundgruben, vor allem auf Zinn.

Der sächsische Kurfürst Johann-Georg I. (1585-1656) ließ schon Anfang des 17. Jahrhunderts einen hölzernen Turm zur Wildbeobachtung, aber auch wegen der herrlichen Aussicht, die man von hier oben hat, auf dem Berg errichten. Sein Sohn, Johann-Georg II. nutzte das Gebiet weidlich als Jagdrevier und der Chronist berichtet, dass am 7. Sept.1678 bei einer Treibjagd östlich des Auersberges im Tal der kleinen Bockau u.a. 102 Hirsche, 101 Stück Wild, 40 Wildkälber, 8 Rehe, 1 Bär, 1 Frischling und 15 Füchse erlegt wurden. Dies zeugt vom damaligen enormen Wildreichtum im Gebiet. Der Turm wurde jedoch öfters von Paschern und Wilddieben angezündet. Sie fühlten sich irgendwie beobachtet.

1860 ließ die königlich-sächsische Landesforstverwaltung Steine auf den Berg bringen und errichtete den ersten steinernen Turm überhaupt. Dieser „Forstfiskalische Turm“ hat zwei übereinander liegende Unterstandszimmer für das Forst- und Jagdpersonal, unteres ist von der Nordseite erreichbar, oberes über den schmalen, gewendelten Turmaufgang. 1901 erfolgte ein zwei Meter erhöhter mit Eisengeländer umfasster Aufbau zur besseren Aussicht.

Der Turm wurde schon damals mindestens 10 Jahre touristisch bewirtschaftet, wahrscheinlich durch den sächsischen Staatsforst, denn 1890 erschien im „Wegweiser durch das sächsisch-böhmische Erzgebirge“ folgendes: „In der Zeit vom 1. Mai bis zum 31.Oktober ist der hiesige Waldarbeiter Schneidenbach (aus Wildenthal) beauftragt, von Sonnenaufgang bis zum Eintritt der Dunkelheit im Turm anwesend zu sein. Er hat von jedem Besucher ein Eintrittsgeld von 10 Pfg. zu beanspruchen. An Wochentagen hält sich der Schuhmachermeister Heidel (ebenfalls aus Wildenthal) zur Erleichterung des Publikums zur Zeit der Sommer- und Herbstferien von früh bis abends im Turm auf“.

Jahrelang wurden die Wanderer von der „Turmmutter“ Heidel (1824-1904) bewirtet, die selbst noch im hohen Alter von fast 80 Jahren die Verpflegung mit dem Tragkorb 300 Höhenmeter von Wildenthal hinauf zum Plateau schleppte. Nicht verbrauchte Reste wurden in einer geheim gehaltenen, natürlich kühlenden Erdgrube gelagert.

1907, beim Bau des ersten Unterkunftshauses, wurde der Turm wegen Bauschäden etwa zur Hälfte abgetragen und neu aufgebaut. 1940 erhielt er seine hölzerne Haube und ein entsprechendes Dach.

So ist der Turm von oben her geschützt und die Besucher sind nicht mehr dem manchmal sehr rauen Wetter ausgesetzt. In der Zeit des II. Weltkrieges diente der Turm als Beobachtungspunkt, da sich eine Flakstellung auf dem Plateau befand.

Da gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Zustrom von Wanderfreunden beträchtlich anstieg, fasste der Erzgebirgsverein in seiner Zeitschrift „Glück auf“ schon 1881 den Gedanken zum Bau einer Unterkunftshütte auf dem Berg. Die wurde 1902 vom Eibenstocker Zweigverein wieder belebt, der ein erstes Unterkunftshaus errichten wollte. Es sollte „Leipziger Hütte“ genannt werden wegen wahrscheinlich größerer Zuwendungen des Leipziger Zweigvereins. Die gestellten Bedingungen für den Bau durch das zuständige Ministerium in Dresden waren für den Verein jedoch unannehmbar.

Das Vorhaben wurde aber nicht aus den Augen verloren und so erhielt der Gesamtvorstand des Erzgebirgs-Hauptvereins im Jahre 1906 vom zuständigen königlichen Finanzministerium in Dresden, ähnlich wie auf dem Fichtelberg (schon 1889) auf seine Kosten ein Unterkunftshaus mit Gästezimmern, Gasträumen und Küche usw. zu errichten. Bedingung war, den Bau spätestens 1907 zu beginnen und auch zu Ende zu führen. Da schon Baupläne des Zwickauer Finanz- und Baurats Kemlein erarbeitet waren, wurde das Baugenehmigungsverfahren zügig bis April 1907 von den staatlichen Behörden abgeschlossen und der Bauauftrag, nach Ausschreibung, an den Baumeister Junghans, ebenfalls aus Zwickau, nach seinem eingereichten Kostenvoranschlag von ca. 17 000 Mark, vergeben.

Der Bau des Auersberghauses begann am 1.Mai 1907 und bereits nach 3½ Monaten feierte man Richtfest. Schon zwölf Wochen später, am 10. November 1907 wurde die Weihe des Hauses bei herrlichem Herbstwetter vollzogen.

Das neu errichtete Berghaus entwickelte sich zu einem regelrechten Besuchermagneten und soll bereits nach Ablauf des ersten Jahres 40 000 Besucher gezählt haben. Dokumentiert sind die Besucherzahlen des kostenpflichtigen Aussichtsturmes von 1909: 13399 Pers. und 1910: 14142 Personen.

Schon 1910 dachte man über die Erweiterung des Berghauses nach, zumal Seine königliche Majestät, König Friedrich –August von Sachsen bei seinem Besuch am 3.Juli 1908 die Enge des Hauses bemängelte. In den Anfangsjahren brachte der Auersberg dem Erzgebirgsverein ein einträgliches Geschäft, so dass zum Bsp. für das Geschäftsjahr 1913 ein Überschuss von 3243,88 Mark dokumentiert ist.

Nach Antrag im Oktober 1913 an die königliche Forstrevierverwaltung erging bereits im Januar 1914 der Genehmigungsbescheid des königlichen Finanzministeriums an den Erzgebirgsverein zum Erweiterungsanbau. Dieser wurde im April desselben Jahres von der königlichen Amtshauptmannschaft Schwarzenberg endgültig genehmigt, so dass bis zum 27.11.1914 der Anbau fertig gebaut werden konnte. Am 12.12.1914 erfolgte die Weihe, aber erst nach verschiedenen Um- und Einbauten konnte im Oktober 1915 die Bauabnahme und somit die offizielle Inbetriebnahme erfolgen. Das Haus war nun mit einer Dampfheizungsanlage, einer eigenen Stromversorgung, acht neuen Fremdenzimmern, einem neuen 70 qm großen Gastraum sowie umgeänderter Küche und Toiletten eingerichtet worden.

Zwischen den beiden Weltkriegen wurde der Auersberg zu einem regelrechten Wanderrefugium und tausende Ausflügler kamen mit Sonderzügen (Ausstiege in Blauenthal, Erlabrunn oder Johanngeorgenstadt), mit Autobussen, zu Fuß oder per Fahrrad zum Berggasthof. Vor allem Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten gab es regelrechte „Völkerwanderungen“ hinauf und rund um den Berg. Auch Winters wurde der Auersberg mehr und mehr zu einem Ausflugsziel, da sich Carlsfeld und Johanngeorgenstadt zu Wintersportorten entwickelten.

Der Berggasthof erhielt von vielen Erzgebirgszweigvereinen Spenden in Form von Geld und Gegenständen. So entstand u.a. im Juni 1921 die „Sosaer Ecke“, die mit an den Bergbau im Gebiet erinnernden Stücken und dem sehr alten Wappen sowie vielen anderen Schmuckstücken ausgestattet war. Darüber hinaus waren noch die Lugauer, Auerbacher und Thalheimer Ecke eingerichtet. Zwickau hat bis heute seinen eigenen Gastraum.

Während des II. Weltkrieges wurde auch der Auerberg militärisch genutzt. Die Zufahrtsstraße von Sauschwemme war gesperrt, so dass die geöffnete Gaststätte nur vom „Großen Stern“ über die „Himmelsleiter“ erreicht werden konnte.

Nach dem Krieg wurde der Erzgebirgsverein aufgelöst und sein Vermögen ging an das Land Sachsen über (1948). Auf Grund mangelnder Aufzeichnungen und allgemein schlechter Datenlage liegen über diese Zeit kaum gesicherte Informationen vor. Für die Region kam ab 1947 noch erschwerend die immense bergbauliche Tätigkeit der SAG Wismut hinzu. Die Reise - und Bewegungsfreiheit für die Bevölkerung waren durch die zahlreichen Straßensperren durch die sowjetischen Besatzer bis 1955 stark eingeschränkt (Passierscheinpflicht).

Kurzzeitig war das Haus nun eine Ferienunterkunft für die sächsische Landesregierung bis es ab Februar 1952 in eine Jugendherberge umfunktioniert wurde. Gebäude und Turm verfielen zusehends und nach Auflösung der Herberge befanden sich Berghaus und Aussichtsturm in einem jämmerlichen Zustand. Die Gaststätteneinrichtung war geplündert, der Verbleib ist bis heute ungeklärt.

Im Januar 1956 wurde zwischen der Stadt Eibenstock (Rechtsträger seit 1.1.1953) und der HO Wismut Gaststätten Aue als Nutzer ein Überlassungsvertrag geschlossen. Danach investierte die HO mehrere 10 Tausend DDR-Mark in die schrittweise Sanierung des Gebäudes und der Inneneinrichtung.

Auf Weisung des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt erfolgte am 1.1.1958 der Rechtsträgerwechsel des Berghauses mit Aussichtsturm von der Stadt Eibenstock zur HO Wismut Aue. 1961 wurden die historischen Pferdestallanlagen von 1908 mit einem massiven Vorbau versehen und bis 1990 als Imbiss mit Souvenirverkauf genutzt. Das Areal wurde mit der Rekonstruktion des Auersberges (1992-94) abgerissen und in einen Kinderspielplatz umgestaltet.

Nach der Wende am 9. November 1989 gingen Berghaus und Turm in Treuhandverwaltung über und der wieder gegründete Erzgebirgsverein stellte im Herbst 1990 einen Antrag zur Rückübertragung. Dieser wurde aber mit Verweis auf die unter sowjetischer Besatzung erfolgte Übertragung des Eigentums an das damalige Land Sachsen abgelehnt. Auf Antrag der Gemeinde Wildenthal im November 1990 an die Treuhand wird von dieser am 26.6.1991 der Gemeinde die Rückübertragung von Berggasthof und Aussichtsturm beschieden. Beide Gebäude waren zu diesem Zeitpunkt dermaßen beschädigt, dass sie baupolizeilich gesperrt werden mussten. Die Gemeinde kämpfte bis 1992 um den Erhalt von Fördermitteln zur Sanierung, die bis 1994 dauerte. Letztendlich wurden 4,5 Mio. D-Mark zur Verfügung gestellt.

Am 14.5.1994 konnte das Auersberghaus nebst Aussichtsturm wieder eröffnet werden. Durch Eingemeindung von Wildenthal nach Eibenstock im Januar 1994 ist nunmehr die Stadt Eibenstock Eigentümer von Haus und Turm.

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